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Allein

Filmausschnitt

 

Screenshots:

Allein - Screenshot

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Allein - Screenshot

 

Storyboard:

PDF-Dokument Storyboard Phase 1

PDF-Dokument Storyboard Phase 2

 

Making Of:

Allein - Making Of Bild 1

Allein - Making Of Bild 2
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Kulissenbau:

Allein - Kulissenbau Bild 1

Allein - Kulissenbau Bild 2
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Allein

von Milan Kappen und Oliver Leutnecker

2006, 4:30 min, 35mm, Musikclip

Inhalt

Auf absurd-groteske Weise wird das Alleinsein beleuchtet.

Produktionsdaten

Konzept/Drehbuch: Milan Kappen
Regie/Schnitt: Milan Kappen
Kamera/Licht: Oliver Leutnecker
Musik: Amini / Crima
Produktion: Milan Kappen und Oliver Leutnecker
Regie-/Produktionsassistenz: Fabio Hass
Kameraassistenz: Christian Schwarz
Beleuchter: Stefan Friedel
Storyboard (2te version): Fabian Santner
Catering: Rolf Krane
Make-up: Vanessa Merscher
Kulisse / Kostüme: Milan Kappen und Fabio Hass
Filmequipmentsponsor: Ernst Kubitza

Produktionsbesonderheiten

(geschrieben aus der Sicht von Milan Kappen, Regie)
Für uns war der Kurzfilm Allein so etwas wie ein Sprung ins kalte Wasser! Keiner von uns hatte zuvor auf Film gedreht. Kein 8mm, kein 16mm. Nein. Wir haben gleich auf 35mm gedreht. Und das ganze selbst finanziert. Mit damals 19 (Milan-Regie) bzw. 17 Jahren (Oliver- Kamera). Es war wohl eine der besten und größten Erfahrung, die wir machen konnten. Seitdem hat sich unser Arbeitsstil extrem professionalisiert, wenn nicht sogar revolutioniert oder evolutioniert.

Im Folgenden werde ich recht detailiert auf den Produktionsverlauf eingehen. Der letzte Abschnitt Fazit wird die Quintessenz aus dem beschriebenen sein und meine wichtigsten Regeln und Erfahrungswerte zusammenfassen. Dieser Abschnitt wird zwar aufschlussreich sein, aber um so einleuchtender, wenn der Produktionsverlauf verstanden wurde.

Wie das Projekt zustande kam:
Oli hatte über seinen Mentor (in Sachen Filmkameras und –material) Ernst Kubitza die Möglichkeit, umsonst eine 35mm Kamera sowie 2 Rollen Kunstlicht und 3 Rollen Tageslicht Recans zu bekommen. Ich hatte durch einen kleinen Werbejob für DaimlerChyrsler das Geld, um die Entwicklung und das Abtasten zu zahlen. Wir setzten uns zusammen und überlegten, was man mit den etwa 20 Minuten Material so anstellen könnte. Außerdem mussten wir bedenken, dass die 35mm Kamera, die wir umsonst ausleihen konnten, für Stummfilm bzw. Tricksequenzen konzipiert wurde und demnach recht laut sein würde. Bei 20 min Material gingen wir optimistisch von einer maximalen Länge von 4 Minuten aus. Da wir beim Sound lieber nichts riskieren wollten, fiel jeglicher O-Ton weg. Da kam ehesten noch ein Musikvideo in Betracht.

Wie die Idee enstand
Da ich aber eher was Narratives machen wollte und mich Performencevideos (speziell der Standard Hip-Hop Mist) mich meistens anöden und wegen dem begrenzten Material auch gar nicht möglich gewesen wäre, wollte ich mal ein richtig geiles Musikvideo machen. Eines wie ich es gerne mehr sehen würde. Revolution. Ein Musikvideo, dass den Songtext narrativ aber eigenständig und emotional transportiert. Fehlte nur noch die Musik.
Nach ausgiebiger Suche nach einem ansprechenden Lied kam ich über Cristian Maurer (Crima), der für mich für den vorangegangenen Kurzfilm die Filmmusik geschrieben hatte, auf Amini und letztendlich auf das Lied Allein.
Nachdem ich es in einem Dauerloop stundenlang gehört hatte, hatte ich die Idee von einem rasselnden Kaktus. Diese Initialidee war der Funken, der fast zeitgleich von diversen absurden und grotesken Bildern in meinem Kopf begleitet wurde.
Daraufhin teilte ich mir den Songtext von Allein in Abschnitte und schrieb ihn auf die linke Seite, während ich auf der rechten meine Visionen dazu recht detailiert festhielt (siehe Konzept und Storyboard). Von vornherein legte ich fest, dass die Akteure des narrativen Musikvideos die Musiker der Band waren und baute sie in Gedanken aktiv als Charaktere im Konzept ein - legte also die Rollen nach ihnen an.

Konzeptausbau
Von vornherei war klar, dass für die etwa 45 Sekunden die im fertigen Video draußen spielen würden 10-12 Minuten Material zur Verfügung stehen würden; für die Innenszenen, die etwa 3:15 Minuten im fertigen Video beanspruchen würden, allerdings auch nur 10 Miunten Material verfügbar wären. Nicht mehr, nicht weniger. Daher wurde neben dem oben erwähnten sehr detailiertem Konzept auch noch eine erste und zweite Storyboardversion gemacht, die ich jeweils animierte. Beim Dreh war oberstes Gebot: absolut maximal 2 Takes pro Einstellung, egal wie sie waren. Hohe Disziplin!

Produktion
Nachdem die Idee voll ausgereift und im Grunde visuell schon zweimal entstanden war, machte ich mich mit Oli an die Produktion.
Oli war für alles Technische - also Kamera, Zubehör, Licht, Kamera/Lichtcrew und Filmentwicklung/-abtastung zuständig, sowie die zugehörige Dispo: wann, was, wo, wie sein müsste. Ich war für die Locations, Catering, Requisiten, Kostüme und Kommunikation mit der Band/Darstellern verantwortlich sowie die Allgemeine Disposition und den Drehplan.
Wir haben uns voll vertraut und im Grunde nicht kontrolliert. Wodurch man aus Verantwotungsgefühl dem anderen gegenüber lieber alles doppelt checked und so auch keine Fehler macht.
Da Studiomieten oder ähnliches aus Kostengründen nicht in Frage kamen, wir aber einen Starkstromanschluss und viel Platz brauchten, schaute ich mich nach Theatern, Schulbühnen und Turnhallen um.
Dass gerade Sommerferien waren, war einerseits ein Vorteil: alles nicht belegt. Aber es war auch unvorteilhaft, denn auch verwaltungstechnisch herrschte Urlaubszeit. Also griff ich auf Leute zurück, die ich gut kannte, die ich mag und die mich mögen. Freunde. Darunter auch die Schulleiterin des Englischen Instituts (meiner gerade vom Abi verlassenen Schule). Da hatte ich die Privatnummer und unter ein paar Auflagen konnten wir dann auch umsonst die Turnhalle mit Theaterbühne und Starkstromanschluss für 2 Wochen nutzen. Diese Zeit benötigte ich auch, um mit meinem besten Freund Fabio Hass (Produktions- und Regieassistent) die Kulisse aus den günstigsten Dachlatten und billigsten Styroporplatten und Billigkleber zusammenzuschustern.
Da zwei Räume benötigt wurden, konzipierte ich die Kulisse so, dass sie angehoben werden konnte und ein weißer Billiteppich schnell druntergeschoben werden konnte. Viel schwarzer Stoff, den man schnell über die Wände schmeißen kann, damit die Wände lichttechnisch absaufen und man nicht merkt, dass es der gleiche Raum ist. Ich sorgte ferner dafür, dass beide Sets im gleichen Raum gedreht werden konnten. Dann noch schnell 50 Theater angerufen, ob sie ein Kaktuskostüme haben und 50 mal ausgelacht werden, um es dann letztendlich doch selbst zu basteln. Dann noch beim gut befreundeten Fahrlehrer nach ausrangierten Motorradhelmen gefragt, fürs Insektenkostüm und diverse Kleinigkeiten. Freund bei der SAP angerufen, ob er eine Genehmigung für einen Samstag auf einem ihrer Parkhausdächer organisieren könnte. Finito. Mit den zwei Hauptdarstellern Probeaufnahmen gemacht und das Konzept durchgegangen.

Dreh
Innen:

Außen:

Im Grunde war der Dreh erschreckend einfach. Ich hab das Gefühl, ich hab nichts gemacht. War ja alles abgesprochen. Am meisten Arbeit wars noch den Darstellern das Verkrampfte zu nehmen. Also dass sie dann im Augenblick der Aufnahme nicht an das Ganze drumherum denken, sondern ganz locker alles so machen, wie bei ner Probe ohne den ganzen Humbuck drumrum.
Einziges wirkliches Problem war, dass einer der Darsteller leider familiäre Probleme bekam und am zweiten Drehtag einige Stunden zu spät kam. Dann wurden aber einfach ein paar Szenen vorgeschoben und es wurden Mittagspause und Erholung vorgezogen.
Außerdem war plötzlich der Fahrstuhl, den wir drehen wollten, nicht mehr zugänglich bzw. der Besitzer hatte es sich spontan (ohne Bescheid zu sagen) anders überlegt. Da aber Fabio 1 Stunde vor Dreh dieser Szene losgeschickt wurde, um doppelzuchecken, konnten wir uns gut drauf einstellen - Drehplan etwas verschieben und Fabio sucht einen neuen. Alles Halb so wild.

Postproduction
Nachdem das Material entwickelt wurde und Oli das Material mit einem talentierten Operator beim SWR abgetastet hatte, schnitt ich es, wie ich es schon längst im Kopf und sogar aufgemalt im Storyboard hatte. Lediglich für die Parkdeckszenen, bei denen improvisiert wurde, benötigte ich mehr Zeit zum schneiden.

Fürs Zeitgefühl

Fazit
(folgende Punkte habe ich für mich herausgefunden. Ich stelle sie verallgemeinert dar, was nicht bedeutet, dass sie allgemeingültig sind.)

  1. Beschränkungen sind sehr gut. Sie stacheln die Kreativität an.
  2. Wenn du was machst, dann mit vollem Elan und Kraft, am besten mit einem Revolutionsgedanken.
  3. Vertraue (blind) auf die Fähigkeit talentierter Menschen.
  4. Arbeite mit Freunden und Leuten, die dir wohlgesonnen sind.
  5. Wenn man knapp bei Kasse ist und trotzdem (viel) eigenes Geld investiert,
    1. arbeitet man effektiver und enthusiastischer,
    2. lernt man mehr, weil man alles selbst macht und Fehler spürbarer sind,
    3. macht man weniger Fehler von vornherein,
    4. findet man häufig Wege, die einem sonst veschlossen blieben.
  6. Bleib optimistisch! Glaub an dein Projekt, sonst fährst du auf Sparflamme.
  7. Im Vorhinein vom Worst-Case auszugehen und Lösungen parat haben,
    1. hilft dabei optimisitsch zu sein,
    2. verringert Fehler und gravierende Probleme beim Dreh selbst.
  8. Wenn man auf Film aus eigener Kasse dreht, beschränkt man aus Kostengründen das Material. Dies führt auf den ersten Blick ironisch wirkend jedoch enorm qualitätsfördernd. Denn man plant und probt mehr, malt sich ein präziseres Bild vom finalen Film und geht besser vorbereitet zum Dreh. Man hat mehr Zeit und Muse auf die Details oder absolut unvorhersehbare Probleme einzugehen. Außerdem sind alle am Set konzentrierter, weil jede Minute Material Geld kostet und bemühter, weil niemand die DV-Haltung "Egal, wenn ich mein Teilgebiet verhau, dann machen wir’s halt noch mal." hat. Des weiteren gibt es weniger Material für den Schnitt, was diesen enorm vereinfacht und verbessert, weil man sich nicht verkünsteln kann.

Gemeinsame Biographie

Oliver und Milan sind sich bei einem Kurzfilmdreh einer Freundin erstmals begegnet. Oliver war Kameramann und Milan Regieassistent. Im Grunde haben die beiden sich dann aber über das Allein-Projekt erst richtig kennen und schätzen gelernt. Sie liegen filmisch auf einer Wellenlänge, ihre Fähigkeiten ergänzen sich und sie kommen gut miteinander klar (was bei so einer Extremsituation wie Dreh, nicht zu unterschätzen ist). Seit dieser Zeit arbeiten die beiden an so gut wie jedem Film gemeinsam. Neben den Musikvideos und Kurzfilmen auch schon an einigen kommerziellen Filmchen. Meist in der gehabten Rollenverteilung: Oliver - Kamera, Milan - Regie.

Wenn man das so sagen darf, würde ich behaupten, dass unsere Filme vor allem durch ihre intensive Kombination aus starken Bildern, Schnitt, Musik und Ton ihre Geschichten erzählen. Intensive Handlungen oder Dialoge selbst sind bei uns weniger zu finden.

Filmographie (gemeinsam)

2006

2007

2008

Festivals und Preise (ALLEIN)

2006:

2007

2008

Sonstige Anmerkungen

Bei dem Kurzfilmfestival FiSH wurde die dort in der Jury sitzende Anke Lindenkamp, eine ARTE Redakteurin, auf Allein aufmerksam und legte ihn dem Auswahlsgremium für die Sendung Kurzschluss nahe. Der Film wurde genommen und kurz darauf im Kurzfilmmagazin Kurzschluss um Weihnachten 2007 zweimal ausgestrahl.

Fotos/Drehbuch/Storyboard/Zusatzmaterial

kappen.name/allein
Ausformuliertes Konzept - Konzeptfindung
Kulisse und Requisiten Bau
Making of Bilder
Stills
Storyboard und Voranimation