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Leggingsjeans

Filmausschnitt

 

Filmstill

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Filmstill

 

Lydia Dykier

 

 

Leggingsjeans

von Lydia Dykier

2006, 6:20 min, DV, Persiflage

Inhalt

Manche Leute können einen beim Einkaufen ganz schön aus dem Konzept bringen. Erst recht, wenn sie eine Leggingsjeans tragen.

Produktionsdaten

Geschichte: Miriam Nonnenmacher
Drehbuch: Lydia Dykier
Regie: Lydia Dykier
Kamera: Martin Hildebrandt
Schnitt: Lydia Dykier, Martin Hildebrandt
Ton: Stini Röhrs
Musik: Sebastian 23, Christoph Pabst
Produktion: Lydia Dykier
Darsteller: Maureen Middeldorf, Friederike Kolbe, Felix Schemmel, Klara Maul

Leggingsjeans von Miriam Nonnenmacher (Kurzversion)

Neulich habe ich über die Einzigartigkeit der Menschen nachgedacht. Es ist ja so, dass jeder einen Charakter wie kein anderer hat und Dinge mag, die ganz genauso niemand anderes mag. Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen wird ganz hervorragend in seinem Kleiderschrank ausgedrückt, die Kombination der Kleider ist dort ganz einmalig. Niemand hat dieselben Sachen, irgendeine Andersartigkeit hat die anderen dazu bewogen etwas anderes zu kaufen, also zumindest meistens. Ein paar Sachen kaufen ja auch alle, irgendwie kann man das einordnen, es gibt nur ein Problem, manchmal kommt neue Mode auf den Markt.

Jetzt gibt es so neue Jeans die sind ganz eng, und besonders eng unten damit man sie besser in die Stiefel stecken kann. Früher hießen sie Karottenjeans, jetzt sind sie noch enger. Wie Leggings, also Leggingsjeans. Der Unterschied zwischen Leggings und Leggingsjeans ist, dass man sich mit einer Leggings nicht auf die Straße traut, mit so einer Leggingsjeans aber sogar ins juristische Seminar. Neulich habe ich so eine junge Frau bei Lidl gesehen, die hatte ganz lange Beine die in so einer Leggingsjeans verpackt waren. Es hatte so was von computeranimierter Schönheit die im Kampfanzug durch den Dschungel rennt. Also hier durch Lidl. Ihre Maße müssen 90-60-90 gewesen sein. Ich konnte mir nicht helfen, irgendwie musste ich direkt an Sex denken.

Das irritierte mich komisch dachte ich, ob es ihre Hose ist die mich anmacht. Sie schlenderte den Gang entlang und balancierte dabei mit dem Po den unsicheren Stand auf den hochhackigen Stiefeln aus. Ich folgte ihr unauffällig um mehr zu sehen. Was für eine Provokation, dachte ich. Es ist nämlich eigentlich nicht meine Art fremden Frauen im Supermarkt nachzustellen. Sie hatte ja bestimmt auch einen guten Charakter. Also bei einem tiefen Decolleté ist der sexuelle Hinweisreiz ja klar. Das heißt dann so was wie in meine Brust passt Milch für eine ganze Familie rein. ‚Überleg doch mal, magst du mit mir eine Familie machen?’ Milch für alle! Milch macht müde Männer munter, aber so eine Hose? Es hatte aber auch so was dominant aggressives, vielleicht wollte sie ja eine Domina sein. Wie interessant, sie hatte so ein liebes Gesicht. Aber so eine dominante Art hat schon seinen Charme. Vielleicht waren die Karotten ja für ihr Pferd und sie ging gleich reiten, diese Leggingsjeans hatte ja auch so was von einer Reithose, so in die hohen Stiefel gesteckt. Womöglich ging sie regelmäßig auf einen Hof, striegelte ihr Pferd und war so was wie eine große Schwester für die Mädels dort die Bravo Girl lesen und auf ihren Traumboy warten. Vielleicht suchte sie ihren Traumboy ja auch noch immerhin war sie ganz allein bei Lidl, ohne Pferd, ohne Traumboy.

(Absatz der Schönen bricht)

Ich wollte ihr zur Hilfe eilen, doch dazu war ich nicht die Einzige, mehrere Umstehende waren bereits auf sie zugehechtet, wie aus dem Nichts tauchte auch der Filialleiter von Lidl auf, die Menschenansammlung teilte sich vor ihm er war groß gewachsen und angenehm muskulös. "Was ist denn hier passiert?" fragte er mit einem charmanten Lächeln. "Zeigen sie doch mal her, das kann man sicher reparieren." meinte der Filialleiter einfühlsam. Er war ganz offensichtlich ein guter Ernährer denn er arbeitete schließlich in der Lebensmittelbranche. Enttäuscht entfernten sich die anderen Hilfsbereiten Einkäufer. Neben mir stand ein Opa, keine Ahnung was er sich so dachte, ich musste irgendwie an Sex denken.

Weitere Kurzgeschichten von Miriam Nonnenmacher finden sich im Bereich Ideenfindung.

Biographie

Lydia Dykier wohnt in Marburg und wurde 1984 geboren. Um ihr Jura-Studium abbrechen zu können, stürzte sie sich 2004 in die Arbeit mit der Kamera und mit dem Stift. In ihren Filmen vereinen sich detailgetreue Alltagsbeobachtungen fernab vom ausgelutschten Amélie-Gedönse. In Verfilmungen von Kurzgeschichten, Gedichten und eigenen Erlebnissen verbildlicht sie die Skurrilität manches Einfachen und stellt kleine Dinge in den Mittelpunkt. Ihr Talent ist speziell, aber groß: Sie produziert schön zu betrachtende Bilder, als Film, auf einem Zettel oder im Internet. Vollkommen zu Recht gewann sie 2007 den hessischen Film- und Kinopreis, für ihr Werk Leggingsjeans. Ab dem 1. Oktober 2008 studiert sie in Potsdam-Babelsberg Filmregie.

Filmographie

2005:

2006:

2007:

2008:

Festivals und Preise

2007: