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Nachtsonne

Filmausschnitt

 

Filmstill

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Ivi Roberg

Ivi Roberg

Ivi Roberg

 

 

Nachtsonne

von Ivi Roberg

2004, 6:10 min, DV, Kurzfilm

Inhalt

"Mein Vater besuchte mich oft. Wir gingen an schöne Plätze. Meine Mutter war immer nur zu Hause. Nur zu Hause. - Ich träumte von sonnigen Orten, wo es unsichtbare Wesen gibt, die die Natur lieben..." Die Erinnerungen, die Träume und der Platz, wo alles sich zusammentrifft, um Wunden zu heilen.

Produktionsdaten

Drehbuch: Ivi Roberg
Regie: Ivi Roberg
Kamera: Ivi Roberg
Schnitt: Ivi Roberg
Ton: Ivi Roberg
Produktion: Ivi Roberg
Erzählung: Floriane Kleinpaß
Deutsche version: Eva Becker und Matias Liebrecht
Darsteller: Mariana de Moraes, Bruno Franques, Katlynn de Lima Galvao

Produktionsbesonderheiten

Den Text zu meinem Film hatte ich schon vier Jahre zuvor geschrieben, kam dann aber nie dazu, den Film zu drehen. Besonders schwierig war es, das für die Rolle passende Mädchen zu finden. Anfang 2004 habe ich Katlynn kennen gelernt, und sie war einfach perfekt. Zu diesem Zeitpunkt war sie vier Jahre alt. Es hat sich also gelohnt, so lange gewartet zu haben.

Es ist immer eine Herausforderung, mit Kindern zu arbeiten, denn es wird immer auch eine besondere Regisseur-Schauspielerbeziehung sein. Es ist wichtig, das passende Kind zur Rolle finden, und dafür sorgen, daß es sich mit der Crew versteht und wohl fühlt, so dass dieses Kind auch vor der Kamera sich so geben kann, wie es wirklich ist. Katlynn ist ein sehr ruhiges und zurückhaltendes Mädchen. Die Szenen mit der Mutter waren relativ einfach zu drehen. Bei den Szenen mit dem Vater verbrauchten wir doppelt soviel Filmmaterial. Die ersten Rollen mit dem Vater waren fast unbrauchbar. Erst nach einiger Zeit hat sich Katlynn an ihren Film-Vater gewöhnt und ist lockerer geworden. Das hat uns viele Süßigkeiten, Spielereien und viel Geduld gekostet. Der Dreh war zwei Tage lang, einen für die Mutter-Szenen und einen für die Vater-Szenen. Fast alles habe ich selbst gemacht, und es war eine wunderbare Arbeit, denn diese Story lag mir sehr am Herzen. Ich wollte sie sehr gerne drehen. Ich glaube, dass jeder Künstler, der das macht, woran er wirklich glaubt, Ergebnisse erzielt, die mindestens interessant sind.

Text zum Film "Nachtsonne"

Mein Vater... Die Sonne meines Lebens.
Er besuchte mich oft. Und jedes mal brachte er Geschenke, Küsse und Zärtlichkeit.
Ich war immer glücklich, wenn er kam. Wir gingen an schöne Plätze. Plätze die Kinder lieben.

Meine Mutter...
Sie war immer nur zu Hause. Nur zu Hause.
Sie schaute immer irgendwohin, in eine Welt, die ich nicht sehen konnte. Eine ferne Welt, in der sie alleine war.

In unserem Wohnzimmer gab es ein kleines Fenster. Es war sehr weit oben, ganz in der Ecke. Ein weißes Licht des Himmels fiel hindurch.
Ich liebte es, dort zu liegen und ein Kind zu sein.

Mein Vater wohnte in einem dichten verzauberten Wald, in dem es viele Blumen und große Bäume gab. Und Feen und Zwerge, unsichtbare Wesen, die die Natur lieben.

Er fotografierte mich mit seiner Kamera und all ihren Linsen.
Mich, immer hübsch, am See, im Wald, in der Natur.
Spielerisch und natürlich, ein glückliches Kind unter der Sonne.

Nachts blieb das große Zimmerfenster immer offen.
Das Mondlicht schien in das ganze Haus und streichelte uns mit seinen Yin-Lichtarmen.
Ich träumte von sonnigen Orten, wo es unsichtbare Wesen gibt, die die Natur lieben. Wo man glücklich ist. Dort besuchte mich mein Vater immer. Mit seiner Wärme. Mit allem, was mir fehlte. Meine nächtliche Sonne.

Biographie

Ivi Roberg, geboren in 1978 in São Paulo, Brasilien. Von 1997 bis 1999 Studium an der Filmhochschule FAAP in São Paulo und Arbeit als Produktionsassistentin bei der Filmproduktionsfirma Dezenove Som e Imagens. Danach lebte sie in den USA, Frankreich, London und Berlin. Sie ist seit 2003 Studentin an der HfG Offenbach/M. Im Wintersemester 2006 hat sie ein Auslandssemester in Spanien gemacht und Medien und Kunst in der Universität Barcelona studiert. Sie möchte gerne weiter mit Film arbeiten und viel mehr durch die Welt reisen.

Filmographie

2003:

2004:

2005:

2006:

2007:

2008:

Preise

Festivals

2004:

2005:

2006:

2007:

2008:

Sonstige Anmerkungen

Mit Nachtsonne, meinem ersten selbständigen Film, der um die 200 Euro gekostet hat, habe ich 2004 den Hessischen Filmpreis in Höhe von 25.000,00 Euro gewonnen.

Die Übersetzung des Originaltextes aus meiner Muttersprache Portugiesisch auf Deutsch hat etwa 6 Monate gebraucht. Es war eine große Arbeit, die sich weiterentwickelte, indem ich mehrere Leute nach den Bildern fragte, die sie sich zu jedem Wort vorstellten, um den poetischen Sinn der Bedeutung auf Deutsch wiedergeben zu können.

Der Vater im Film, Bruno Franques, ist mein Vetter. Die Schauspielerin, Mariana de Moraes, die die Mutter spielt, wurde von einem anderen Vetter empfohlen. In den Szenen mit der Mutter, hielt mein Vater immer die Aufheller, da wir kein Stativ hatten. Die Szenen im Bett wurden bei meinen Großeltern zu Hause gedreht. Die Szenen mit dem Vater wurden bei meinem Vater auf dem Land und in nahliegenden Wäldern gedreht. Alles Orte, die ich als Kind oft besuchte. Ein wahrer Familienfilm.