GeradeRaus 2008 Bundesverband Jugend und Film e.V. Junge Filmszene im BJF
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Kurzgeschichten und Gedicht von Miriam Nonnenmacher

Kurzgeschichten:

Kaffeeklatsch
Mein erstes Zeitschriftenabo
Mein Verehrer Thomas
Wellness-Food
Zahnputzmeditation ...

Zahnputzmeditation beim Zähneputzen

Zwei Sorten Mensch gibt es beim Zähneputzen,
die einen schrubben einsam, die andern wolln die Zeit zum reden nutzen.

Letztere, die horten allen Schaum der Zahnpasta
im Mundraum und dann bleibt der da.
Die Spucke sammelt sich im Rachen ungetrübt
Sie sprechen blubbernd, sichtlich wohlgeübt
sie suchen rundherum Geselligkeit
sind auch zur Gestikulation bereit
die Bürste weilt dann halterlos im Mund
denn Pausen machen ist gesund.
Sie putzen nicht an einem Orte
wandeln auch in andre Räume.

Von Mobilität beim Putzen handeln laue Träume
mancher Menschen anderer Sorte.
Denen trielen lange Fäden mundverwunden
aus den Winkeln, stehen an den Wasserhahn gebunden
Pastespuren schälen sich in Schlieren übers Kinn
sinnlich schmeckend denken sie der Sinn
der Prozedur sei im Sabbern gut gefunden
Zähneputzend spielen die Verstecken
kaum hebt einer mal den Kopf aus seinem Becken.
Zweier dieser tropfenden Gesellen
sollte man nicht an ein Becken stellen!
Nur die Laberputzer (erstere, die) sind zur Kommunikation bereit
sie putzen Zähne vorzugsweis zu zweit.

Auch ich mag zähneputzend gerne in Gesellschaft sein,
heut morgen putzte ich doch leider Gottes ganz allein.

So einsam fühlte ich mich recht benommen.
Ich spuckte lustlos in den Abfluss
und begann dann in der Luft herum zu stieren
dieser gottverdammte Stuss, ein Muss,
das Putzen, konnte aber zeitgleich etwas Meditieren
würd dann bald vielleicht in andre Sphären kommen.

Wenn nicht jetzt, wann bitte dann?
Wann in diesen Tagen
kann man denn mal Ausruhn?
Kann man sich das Wesentliche fragen?
Kann man Gleiches drei Minuten im weiter tun?
Daher fing ich zähneputzend mit dem Meditieren an.

Putzen pur im Dämmerschimmer
dank der Badezimmerdimmer
dank der Deckenflutbeleuchter
schien der Staub in Schwaden feuchter
keiner hier, der mich jetzt störte,
mich mein Mantra summen hörte.

Beim Meditieren kann man sagen,
stellen sich die essentiellen Fragen:
Wie war das anno dazumal?
Hatten die da Zahnpastaauswahl?
Schnallten denn die alten Römer
dass sie Zähneputzen müssen?
Konnten die`s denn damals ahnen?
Mundgeruch beim Zungenküssen
fordert Präventivmaßnahmen!
Auch der Sex ist dann viel schöner!
Zwischen Zähnen Restekörner
waren auch kein Vorspielsburner.
Oder schoben Römer munter
Traubenreben bißlos runter?

Alle hellen Menschen sollten
wohl in diesen Fragen einen Spezialisten konsultieren
allerdings warn hier bei mir zum diskutieren
keine Kenner, die mir helfen wollten.

Zähneputzend dacht ich heiter
Dr. Best das ist schon was!
Ist die Menschheit heute weiter?
Putzen macht halt keinen Spaß!
Schäumte mir die Zähne naß
summierte dann den lebenslangen Zeitverbrauch beim Putzen
und fragte mich, was soll denn das?
Die viele Zeit könnt man doch auch ganz anders nutzen!

So sann ich über meinen Badezimmerspiegel
darin sieht wirklich jeder echt gut aus.
Und fragte mich so plötzlich, wiegel
ich denn meine Selbsterkenntnis ab beim Kauf
verzerrender Objekte, die mich schöner machen als ich bin?
Spinn ich oder macht es Sinn,
mein Pickel-Ich in Schummerlicht zu schaukeln?
Ist es denn falsch, sich mal was vorzugaukeln?
Gerät mein Selbstbild aus dem Lot? -
bot doch mein Badezimmerspiegel mir nur Grund zu Eigenlob-
Wollt dann auch geschwind die Digitalkamera zücken
schnell den Auslöser mir drücken.
Schön war ich beim Zähneputzen!
Gute Spiegel haben selbstwertförderlichen Nutzen.

Alle hellen Menschen sollten
wohl bei dem Verhalten einen Spezialisten konsultieren
allerdings warn hier bei mir zum diskutieren
keine Kenner, die mir helfen wollten.

Ich schaute mich vom Denken ganz benommen um,
die Zahnputzzeit war jetzt schon rum
die Spritzer auf dem Spiegel hingen so galant
zu zweit in Zweierpärchen
vorn und hinten Hand in Hand
ein zauberhaftes Zahncrememärchen.

Selten gibt es noch Momente,
welche man zum Denken ausgesprochen gut verwenden kann
so bietet sich die Mundhygiene vor der Rente
zur Reflexion des Daseins an.