GeradeRaus 2008 Bundesverband Jugend und Film e.V. Junge Filmszene im BJF
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Urheberrecht im Film

Fremdes Material beschaffen

Filmmusik legal und günstig

Das Internet bietet inzwischen eine Fülle an Möglichkeiten, sich für Filmprojekte Musik, Sounds, Fotos und sogar Videosequenzen zu beschaffen, ohne sich durch den Dschungel des Urheberrechts kämpfen zu müssen. Dabei reicht das Angebot von kostenlosen Musikstücken mit so genannter Creative Common License bis hin zu bezahlbaren professionellen Titeln, bei denen die Rechte bereits vorgeklärt sind. Einige dieser Möglichkeiten stellen wir hier vor.

Kostenlos und auch gemafrei ist die Musik von Netlabels wie bspw. Stadtgrünlabel (siehe Linkliste am Ende). Ein deutsches Label junger Musiker, das sich der Filmszene vor ein paar Jahren beim Deutschen Jugendvideopreis präsentierte. Hier tun sich Musiker zusammen, die in erster Linie ein Interesse daran haben, ihre Musik zu verbreiten. Die Musik kann direkt herunter geladen und in der Regel unter Angabe der Quelle, eine Form der Creative Common License, verwendet werden. Das Heer dieser Netlabels ist unüberschaubar groß. Alleine bei Archive.org sind rund 12.000 dieser Labels verlinkt. Ein Nachteil ist, dass die Suche nach geeigneten Musikstücken nicht ganz einfach ist, denn es gibt oft keine Gliederung in Musikstile und Instrumente. Halbwegs gelöst hat das Gratisvibes. Dort findet sich eine nach Musikstilen geordnete Linksammlung.

Creative Common License kommt ursprünglich aus den U.S.A. und ist historisch als Gegenbewegung zu den klassischen gewerblichen Copyrights entstanden. „Manche Rechte vorbehalten“ anstatt „Alle Rechte vorbehalten.“ Es gibt sie in sehr unterschiedlichen Formen, weshalb man auf der entsprechenden Internetseite immer genau schauen muss, welche Nutzungs- oder gar Bearbeitungsrechte ein Label einräumt. Creative Commons ist heute als internationale Gesellschaft organisiert und entwirft u.a. Musterlizenzverträge, die von Künstlern genutzt werden können, die ihren Werken Freiheiten geben wollen.

Relativ bekannt sind gemafreie Musikarchive wie das Highland Musikarchiv oder Bluevalley Filmmusik, von denen man natürlich keine künstlerischen Meisterwerke erwarten darf. Man sollte diese Archive aber nicht gleich von der Liste streichen, denn auch diese entwickeln sich weiter und bieten inzwischen für so manchen Zweck gute Musik. Meist kann die Musik im Internet angehört und muss dann gegen eine Gebühr lizenziert werden, wenn sie genutzt werden soll. Die Lizenzpreise sind sehr unterschiedlich und müssen manchmal sogar erst per Mail erfragt werden. Wo möglich ist ein Preisvergleich auf jeden Fall anzuraten. Mit einer ganz guten Suche und einer sehr klaren und günstigen Preisstruktur ausgestattet ist Sound Pool 24.

Ein kostenloses Soundarchiv (keine Musik, aber Geräusche) ist die Hörspielbox, die zur Unterstützung junger Künstler vom SWR, dem SFB und dem Kulturserver Niedersachsen betrieben wird. Entsprechend dürfen die mp3-Dateien für alle künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten genutzt werden. Für gewerbliche Nutzung muss man eine gesonderte Lizenz vereinbaren.

Ein Exot unter den Musikern ist Herbert Maria Klinkenberg. Er bietet für bestimmte Projekte junger Filmemacher/innen und Regisseure nach Absprache Maß geschneiderte Musik kostenlos an. Sprich: er komponiert dafür extra und hat seine Dienste kürzlich der Jungen Filmszene und ihren Mitgliedern angeboten.

Aber auch das professionelle Musikgewerbe bietet kostengünstige Möglichkeiten der Musikproduktion an. Music Production Libraries gehen u.a. auf die Idee zurück, den Überhang an Musikkompositionen, der weltweit ständig entsteht, auf diese Weise verfügbar zu machen. Ferner werden Kundenwünsche der TV- und Radiosender, Werbeagenturen und Filmproduzenten aufgegriffen und mit entsprechenden Komponisten neu aufgenommen. Diese Art der Produktion entspricht der von kommerziellen Plattenfirmen mit dem Unterschied, dass die Production Music Libraries sowohl die Master- als auch die Urheberrechte in einer Hand halten. Hier wird Geld investiert aber natürlich auch entsprechend verdient. Die Library der Universal Publishing Production Music gilt als das weltweit größte Musikarchiv dieser Art. Es enthält mehr als 200.000 Titel mit über 350.000 Trackformaten, die aufwändig in Kategorien gegliedert sind, wodurch eine sehr gezielte Suche möglich ist. Hier geben die Komponisten und Musiker alle Nutzungsrechte, sogar die der nachträglichen Bearbeitung (sampling) an das Archiv ab. Die Musik ist sowohl online. als auch auf CD, DVD oder Festplatte erhältlich. Die CDs werden kostenfrei abgegeben. Erst beim tatsächlichen Einsatz muss die Musik lizenziert und bezahlt werden. Das geschieht mit einem einfachen Lizenzvertrag zu bezahlbaren Preisen. Mitglieder der Jungen Filmszene im BJF erhalten hierbei noch einmal gesonderte Rabatte.

Immer wieder nutzen junge Filmemacher/innen in ihren Filmen Fotos oder Videoausschnitte, die sie irgendwo aus dem Internet herunter geladen haben. Auch hier gilt das Urheberrecht und der Schutz am Werk. Fotodatenbanken mit lizenzfreien Fotos gibt es inzwischen etliche. Pixelio.de ist eine von ihnen und bietet sehr weit reichende Nutzungsrechte für durchweg gut aufgelöste Fotos, die meist von privat stammen. Man muss sich lediglich als Mitglied registrieren. Aber bitte auch hier vorher die Nutzungsbedingungen durchlesen, denn mit dem Urheberrecht ist nicht zu spaßen. Lizenzgebühren erhebt dagegen in den meisten Fällen Centralorder Clips für das angebotene Material, ein Filmausschnittdienst, bei dem Videoausschnitte zur Verwendung im eigenen Film bezogen werden können. Passende Filmschnipsel lassen sich hier über die Suche gut finden. Die Preise für die Filmausschnitte müssen allerdings per Mail erfragt werden.

(Junge Filmszene im BJF, 1.8.2008, Berndt Güntzel-Lingner)

 

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