GeradeRaus 2008 Bundesverband Jugend und Film e.V. Junge Filmszene im BJF
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Urheberrecht im Film

Fremdes Material nutzen

Musik im Film: Finger weg vom CD-Regal?

Der beste Weg für einen Film und der kostengünstigste für den Geldbeutel ist immer noch die Suche nach einem Nachwuchsmusiker aus der eigenen Umgebung, der Spaß daran hat, eine auf den Film zugeschnittene Musik zu komponieren. Dies gilt jedenfalls so lange, so lange ein Musiker nicht bei einer Verwertungsgesellschaft gemeldet ist. Dann sind nämlich alle seine Kompositionen ohne Ausnahme meldepflichtig. Daher muss in diesem Fall der Musiker schriftlich erklären, dass die Musik im Film verwendet werden darf (Werknutzungsrecht). Danach erfolgt eine Gema-Meldung, die zusammen mit einer Kopie der Erklärung des Musikers eingereicht wird. Die Gebühren, die die Gema dann erhebt, sind erträglich.

Wer dennoch unbedingt auf fertige Musik zurückgreifen mag, muss sich genauer mit dem Urheberrecht und den Gepflogenheiten im Musikmarkt auseinandersetzen.

Entgegen allen Gerüchten ist nicht die GEMA der erste Ansprechpartner, wenn es um die Einholung von Musikrechten geht sondern der Lizenzinhaber der Musik - in der Regel ein Musikverlag. Die GEMA bietet hierzu eine Onlinedatenbank, in der unzählige Musiktitel, Komponisten und Textautoren gelistet sind. Und findet sich dort ein Titel nicht, lässt er sich bei der Repertoireauskunft der GEMA in Berlin (Adresse im Anhang) erfragen. Hier erfährt man übrigens auch, ob ein Musiker bei irgend einer Verwertungsgesellschaft im In- oder Ausland gemeldet ist.

Ist der richtige Musikverlag gefunden, muss vor der Verwendung der Musik im Film das Filmherstellungsrecht – auch Synchronisationsrecht genannt – eingeholt werden. Dafür setzt der Musikverlag einen Lizenzvertrag auf und erhebt je nach Musiktitel und der Länge, die im Film verwendet werden soll, eine Lizenzgebühr, die je nach Titel und Rechteumfang 200 Euro aber auch mal 2.000 Euro betragen kann. Manchmal ist das auch Verhandlungssache.

Eine etwas exotische aber sehr elegante Variante der Musiklizenzierung entsteht, wenn der Musikverlag bereit ist, die Lizenzierung für die Filmherstellung an die Gema abzutreten. Das machen manche Musikverlage, um No-Budget-Produktionen entgegen zu kommen und dabei den eigenen Verwaltungsaufwand klein zu halten. Würde der Verlag nämlich entsprechende Rabatte einräumen und selbst Lizenzieren, kann sein Aufwand schnell größer sein als die Einnahmen. Für die Filmproduktion sind in diesem Fall nur noch die deutlich günstigeren Gema-Gebühren zu entrichten.

Gerne vergessen wird ein zweites Recht, das schon bei der Fertigstellung des Filmes eingeholt werden muss: das Leistungsschutzrecht. Das wird in der Regel vom Hersteller einer Musik-CD – man spricht immer noch vom Schallplattenlabel – vergeben, der die Musik bestimmter Künstler/innen ja erst öffentlich im Handel verfügbar macht. Wird die Musik aber nicht von einer CD eingespielt sondern eigenhändig nachgespielt, muss dieses Recht nicht erworben werden.

Abgesehen von den Kosten scheint alles recht einfach zu sein. Doch dem ist leider nicht so. Der Musikmarkt ist im Hinblick auf Lizenzen unüberschaubar in Häppchen und Unterhäppchen aufgeteilt und von vielfältigen Interessen geprägt, die die Rechteeinholung schnell schwierig oder gar unmöglich machen können. Da nützt dann auch der freundliche Sachbearbeiter des Musikverlages nichts, der ein engagiertes Filmprojekt gerne unterstützen würde, aber für 60 Sekunden Musik, fünf beteiligte Lizenzgeber um ihre Genehmigung bitten muss. Der bürokratische Aufwand steht in keinem Verhältnis mehr – und schon gibt es gar keine Lizenz.

Von vornherein die Hände gebunden sind einem Musikverlag, wenn Komponisten bestimmte Musikverwertungen ausgeschlossen haben oder Musik z. B. exklusiv vertraglich an einen Kinofilm gebunden ist. Da kann es passieren, dass eine Laientheatergruppe sogar kostenlos Musik für eine Aufführung verwenden darf, aber die Verwendung der Musik in der Filmdokumentation strikt untersagt wird.

Filmmusik legal und günstig

Das Internet bietet inzwischen eine Fülle an Möglichkeiten, sich für Filmprojekte Musik, Sounds, Fotos und sogar Videosequenzen zu beschaffen, ohne sich durch den Dschungel des Urheberrechts kämpfen zu müssen. Dabei reicht das Angebot von kostenlosen Musikstücken mit so genannter Creative Common License bis hin zu bezahlbaren professionellen Titeln, bei denen die Rechte bereits vorgeklärt sind. Einige dieser Möglichkeiten stellen wir hier vor.

Kostenlos und auch gemafrei ist die Musik von Netlabels wie bspw. Stadtgrünlabel (siehe Linkliste am Ende). Ein deutsches Label junger Musiker, das sich der Filmszene vor ein paar Jahren beim Deutschen Jugendvideopreis präsentierte. Hier tun sich Musiker zusammen, die in erster Linie ein Interesse daran haben, ihre Musik zu verbreiten. Die Musik kann direkt herunter geladen und in der Regel unter Angabe der Quelle, eine Form der Creative Common License, verwendet werden. Das Heer dieser Netlabels ist unüberschaubar groß. Alleine bei Archive.org sind rund 12.000 dieser Labels verlinkt. Ein Nachteil ist, dass die Suche nach geeigneten Musikstücken nicht ganz einfach ist, denn es gibt oft keine Gliederung in Musikstile und Instrumente. Halbwegs gelöst hat das Gratisvibes. Dort findet sich eine nach Musikstilen geordnete Linksammlung.

Creative Common License kommt ursprünglich aus den U.S.A. und ist historisch als Gegenbewegung zu den klassischen gewerblichen Copyrights entstanden. "Manche Rechte vorbehalten" anstatt "Alle Rechte vorbehalten." Es gibt sie in sehr unterschiedlichen Formen, weshalb man auf der entsprechenden Internetseite immer genau schauen muss, welche Nutzungs- oder gar Bearbeitungsrechte ein Label einräumt. Creative Commons ist heute als internationale Gesellschaft organisiert und entwirft u.a. Musterlizenzverträge, die von Künstlern genutzt werden können, die ihren Werken Freiheiten geben wollen.

Relativ bekannt sind gemafreie Musikarchive wie das Highland Musikarchiv oder Bluevalley Filmmusik, von denen man natürlich keine künstlerischen Meisterwerke erwarten darf. Man sollte diese Archive aber nicht gleich von der Liste streichen, denn auch diese entwickeln sich weiter und bieten inzwischen für so manchen Zweck gute Musik. Meist kann die Musik im Internet angehört und muss dann gegen eine Gebühr lizenziert werden, wenn sie genutzt werden soll. Die Lizenzpreise sind sehr unterschiedlich und müssen manchmal sogar erst per Mail erfragt werden. Wo möglich ist ein Preisvergleich auf jeden Fall anzuraten. Mit einer ganz guten Suche und einer sehr klaren und günstigen Preisstruktur ausgestattet ist Sound Pool 24.

Ein kostenloses Soundarchiv (keine Musik, aber Geräusche) ist die Hörspielbox, die zur Unterstützung junger Künstler vom SWR, dem SFB und dem Kulturserver Niedersachsen betrieben wird. Entsprechend dürfen die mp3-Dateien für alle künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten genutzt werden. Für gewerbliche Nutzung muss man eine gesonderte Lizenz vereinbaren.

Ein Exot unter den Musikern ist Herbert Maria Klinkenberg. Er bietet für bestimmte Projekte junger Filmemacher/innen und Regisseure nach Absprache Maß geschneiderte Musik kostenlos an. Sprich: er komponiert dafür extra und hat seine Dienste kürzlich der Jungen Filmszene und ihren Mitgliedern angeboten.

Aber auch das professionelle Musikgewerbe bietet kostengünstige Möglichkeiten der Musikbeschaffung an. Music Production Libraries gehen auf die Idee zurück, den Überhang an Musikkompositionen, der weltweit ständig entsteht, auf diese Weise verfügbar zu machen und daran natürlich zu verdienen. Nicht jede Komposition wird eben ein Hit und landet in den Charts. Die Library der Universal Publishing Production Music gilt als das weltweit größte Musikarchiv dieser Art. Es enthält 350.000 Titel, die aufwändig in Kategorien gegliedert sind, wodurch eine sehr gezielte Suche möglich ist. Hier geben Musiker alle Nutzungsrechte, sogar die der nachträglichen Bearbeitung (sampling) an das Archiv ab. Mit einem einfachen Lizenzvertrag können dann die Musiktitel zu bezahlbaren Preisen genutzt werden.

Immer wieder nutzen junge Filmemacher/innen in ihren Filmen Fotos oder Videoausschnitte, die sie irgendwo aus dem Internet herunter geladen haben. Auch hier gilt das Urheberrecht und der Schutz am Werk. Fotodatenbanken mit lizenzfreien Fotos gibt es inzwischen etliche. Pixelio.de ist eine von ihnen und bietet sehr weit reichende Nutzungsrechte für durchweg gut aufgelöste Fotos, die meist von privat stammen. Man muss sich lediglich als Mitglied registrieren. Aber bitte auch hier vorher die Nutzungsbedingungen durchlesen, denn mit dem Urheberrecht ist nicht zu spaßen. Lizenzgebühren erhebt dagegen in den meisten Fällen Centralorder Clips für das angebotene Material, ein Filmausschnittdienst, bei dem Videoausschnitte zur Verwendung im eigenen Film bezogen werden können. Passende Filmschnipsel lassen sich hier über die Suche gut finden. Die Preise für die Filmausschnitte müssen allerdings per Mail erfragt werden.
(Quelle: Berndt Güntzel-Lingner, Bundesverband Jugend und Film e.V.)

Die Gefahren der Montage

Fremdes Material spielt in Filmen eine gewichtige Rolle: Dokumentarfilme zeigen Ausschnitte aus anderen Filmen oder verwenden Nachrichten aus dem Fernsehen; VJs oder Experimentalfilmer arbeiten of intensiv mit fremden Sequenzen. Doch Filme und Fernsehsendungen sind urheberrechtlich geschützt, so dass man bei der Übernahme von fremdem Material einiges zu beachten hat.

Fremdes Film-Material verwenden

Die Methode, bereits vorhandenes Filmmaterial zu neuen Sequenzen zu verarbeiten, wird häufig auch als "Found Footage" – früher auch als "Kompilationsfilm" – bezeichnet: Archivmaterial wird zusammengetragen und in den eigenen Film hineinmontiert, so dass ein neuer Bedeutungszusammenhang entsteht.

In einigen Genres, zum Beispiel beim Dokumentarfilm, ist die Integration von Material aus anderen Quellen ein häufiges Verfahren. Es gibt aber auch Dokumentarfilme, die (fast) komplett aus Archivmaterial bestehen, oft mit einem erläuternden Kommentar versehen, manchmal aber auch nur durch die Zusammenstellung kommentiert. Auch beim Experimentalfilm, in der Videokunst und bei Musikvideos werden häufig fremde Filmsequenzen bearbeitet und integriert. Dies ist innerhalb bestimmter rechtlicher Grenzen auch legal: Das so genannte Filmzitat spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Das Filmzitat

Die Filmzitat-Regelung ermöglicht es Filmemachern, einzelne Passagen aus fremden Filme zu zitieren. Allerdings müssen die Regeln des Zitatrechts genauestens beachtet werden: Unter anderem ist zwischen Groß- und Kleinzitat zu unterscheiden, die jeweils eigenen Regeln unterliegen.

Das "Großzitat" gestattet unter bestimmten Voraussetzungen die Verwendung von ganzen Werken ohne Zustimmung des Urhebers – in unserem Beispiel etwa auch eines ganzen Films –, aber nur in einem ganz engen Rahmen. So muss es sich um ein selbständiges wissenschaftliches Werk handeln. Die verwendeten fremden Bilder müssen der Erläuterung des Inhalts des zitierenden Werkes dienen. Ein solcher Zitatzweck liegt zum Beispiel vor, wenn man sich kritisch mit dem zitierten Werk auseinandersetzt, mit dem zitierten Werk seinen eigenen Standpunkt stützen will oder das zitierte Werk interpretiert.

Das "Kleinzitat" erlaubt es lediglich, Stellen eines Werkes zu zitieren. Ursprünglich war das Kleinzitat nur für Sprachwerke vorgesehen – nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs jedoch sind sie jetzt auch in Filmen gestattet, soweit sie einem anerkannten Zitatzweck dienen. Neben den oben bereits genannten Zwecken wie der Auseinandersetzung mit dem fremden Werk oder der Unterstützung der eigenen Ansicht, kann ein Kleinzitat in einem Werk auch als Devise, Hommage – etwa an bestimmte Vorbilder – oder als Motto verwendet werden. Es dürfen aber immer nur Ausschnitte, das heißt kurze Bildfolgen, die für den Zitatzweck relevant sind, verwendet werden.

Gemeinsamkeiten der Zitatformen

Alle Zitatformen haben Gemeinsamkeiten, die auch beim Film unbedingt zu beachtet sind. So muss stets ein innerer Zusammenhang zwischen dem eigenen und dem zitierten Werk bestehen. Wer nur das eigene Werk illustrieren will, kann sich nicht auf das Zitatrecht berufen. Zitiert werden darf zudem nur in selbständigen Werken, die selbst urheberrechtlich geschützt sind. Ein Film, der nur aus Zusammenschnitten anderer Filme oder sonstiger anderer Werke besteht und keinen neuen Zusammenhang begründet, rechtfertigt erst einmal keine Zitate, da es sich nicht um ein selbständiges Werk handelt. Dies ist besonders bei "Found Footage"- bzw. Kompilationsfilmen zu beachten: Es müssen durch die Bearbeitung neue Kontexte entstehen, um die Zitierfreiheit in Anspruch nehmen zu können.

Eine weitere Bedingung besteht darin, dass das zitierte Werk zumindest schon veröffentlicht sein muss. Zitate aus noch unveröffentlichten Filmen sind nur mit Zustimmung des Rechtsinhabers zulässig. Das Erfordernis eines Zitatzwecks gebietet zudem, dass das Zitat den durch den Zweck gebotenen Umfang nicht überschreiten darf. Es wäre also unzulässig, über den benötigten Ausschnitt hinaus aus einem fremden Film zu zitieren.
(Quelle: 25.04.05, Oliver Passek, www.irights.info / Dieser Text ist unter einer CC-Lizenz erschienen)

Sonderfälle: Freie Benutzung – Satire, Persiflage, Parodie

Um eine freie Benutzung handelt es sich, wenn man sich bei der Schaffung eines neuen Werkes von einem vorbestehenden Werk inspirieren lässt, ohne dies in identischer oder umgestalteter Form zu verwenden. Beispiele dafür, die auch beim Film eine Rolle spielen, sind die Satire, Parodie und Persiflage – aktuell zu beobachten bei den deutschen "Bully-Komödien" wie "Der Schuh des Manitu" oder "Traumschiff Surprise".

Eine Parodie oder Persiflage ist nach dem Bundesgerichtshof eine "antithematische Behandlung eines Werkes". Während der Stil des Vorbildes erhalten bleibt, wird regelmäßig ein neuer Inhalt dargestellt. Eine Parodie, die ohne Zustimmung des Rechtsinhabers an dem Vorbild geschaffen und beliebig genutzt werden darf, muss sich stets inhaltlich oder künstlerisch mit dem anderen Werk auseinandersetzen. Das Vorbild muss gegenüber dem neuen Werk "verblassen" – also quasi in den Hintergrund treten. Nur dann ist gestattet, dass man sich in humorvoller oder sogar "veralbernder" Art und Weise an das Werk eines anderen anlehnt. Ob ein Werk als Parodie eingestuft werden kann, hängt immer von den Umständen des Einzelfalls ab.

Deutlich wird diese Problematik am besten am Beispiel, wie etwa der Fernsehsendung "TV Total" von Stefan Raab bei Pro Sieben. Die dort gezeigten Szenen anderer Sender werden stets kommentiert, neu geschnitten und mit eigener Wertung versehen. Sowohl die ARD, als auch RTL hatten gegen die vergütungsfreie Verwendung von Ausschnitten ihrer Sendungen bei TV Total geklagt, letztendlich ist es zu keinem abschließendem Urteil gekommen, da die Produktionsfirma von Stefan Raab einen freiwilligen, von ihr als "Satireabschlag" bezeichneten, Betrag an die Sender zu zahlen bereit war. Sonst hätte jeder Einzelfall hinsichtlich der "Zitierfreiheit" neu beurteilt werden müssen.

Werk-Bearbeitungen

Wer sich hingegen so stark am fremden Werk orientiert, dass sein Werk eine "Bearbeitung" darstellt – wie zum Beispiel bei einem Remake oder einer Literaturverfilmung – bedarf der Zustimmung des Urhebers des ursprünglichen Werks.

Zulässig ist die Übernahme fremder Werke in Filmen (und allen anderen Werkarten) dagegen, wenn diese als "unwesentliches Beiwerk" quasi zufällig oder völlig beiläufig gezeigt werden. Das Interesse der Filmemacher an einer solchen Regelung liegt auf der Hand: Wird etwa eine Einstellung in einem Gebäude gedreht, ist es häufig unumgänglich, nebenbei auch geschützte Werke zu zeigen. Das können Möbel sein, die in einem Raum stehen, Bilder, die an der Wand hängen, oder eine aufgeschlagene Zeitung, in der geschützte Texte abgedruckt sind.

Requisiten und andere Werke – zum Beispiel Musikstücke – die gezielt zur Unterstützung der Handlung eingesetzt werden, sind kein unwesentliches Beiwerk. Sind diese urheberrechtlich geschützt, muss man vor der Verwendung im Film die Rechte beschaffen.

Konsequenzen für den eigenen Film

Alle aufgeführten Beispielen für freie Nutzungen sind aber vor allem bei größeren Verwertungsvorhaben – wie es meist im Filmbereich der Fall ist – immer mit Vorsicht zu genießen, da eine Einschätzung häufig mit Unsicherheiten verbunden ist und eine stichhaltige Beurteilung nur am konkreten Einzelfall stattfinden kann.

Bei all diesen Ausnahmeregelungen ist besonders streng darauf zu achten, dass die Voraussetzungen hierfür auch tatsächlich vorliegen. Bestehen auch nur leichte Zweifel, sollte der Rat eines Rechtsexperten eingeholt werden. Greift keine Sonderregelung, gibt es wohl nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder auf die fremden Sequenzen verzichten oder die entsprechenden Genehmigungen beziehungsweise Lizenzen einholen. Erster Ansprechpartner ist dabei in der Regel die Produktionsfirma oder der Verleih. Die Rechteklärung kann aber auch, wenn der Urheber beziehungsweise Rechteinhabers zustimmt, mit hohen Kosten verbunden sein – man sollte deshalb Bearbeitungsgebühren, Material- und Kopierkosten und die Lizenzgebühren in seinen Finanzplan einkalkulieren.

Filmfibel – Rechtstipps für Filmemacher: Benutzung fremder Filmaufnahmen

Telepolis, 17.04.2004: Filmrechte: Ein Millionenspiel

(Quelle: 25.04.05, Oliver Passek, www.irights.info / Dieser Text ist unter einer CC-Lizenz erschienen)

Texte, Fotos, Karten, Grafiken

Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes sind alle persönlichen, geistigen Schöpfungen. Dies lässt erahnen, dass es in der Filmproduktion nicht alleine damit getan ist, Rechte für Musik oder fremdes Filmmaterial einzuholen. Selbst ein Schüleraufsatz oder der Stadtplan eines kommunalen Vermessungsamtes gilt prinzipiell als eine solche Schöpfung, die den Schutz des Urheberrechts genießt. Da es in vielen Fällen schwierig ist zu beurteilen, wann ein Werk geschützt ist und wann nicht, ist der einzige sichere Weg allein der, die Zustimmung der Autoren einzuholen. Wie schwierig das Thema ist, zeigt nachfolgender Text zum Thema Grafiken und Illustrationen.

Werk oder nicht Werk – das ist die Frage

Grafiken und Illustrationen können – wie Fotos oder Texte – urheberrechtlichen Schutz genießen. Wann genau das der Fall ist, ist allerdings nicht immer klar, denn im Detail gelten sehr unterschiedliche Regelungen. Wirklich kompliziert wird es bei Layouts und Website-Designs. Nur wenn Kreative über ihre Rechte Bescheid wissen, können sie mit Auftraggebern gute Vereinbarungen darüber treffen, wie ihre Arbeit genutzt wird.

Grafiken und Illustrationen sind dann durch das Urheberrecht geschützt, wenn es sich bei ihnen um ein Werk handelt. Was soll das heißen? "Werke im Sinne dieses Gesetzes sind [...] persönliche geistige Schöpfungen" – so steht es im Gesetz. Dabei ist entscheidend, dass die Grafik oder Illustration individuelle Züge aufweist. Wann das der Fall ist, sagt das Gesetz nicht. Im Zweifelsfall entscheiden die Gerichte. Orientiert an ihrer Rechtsprechung kann man Anhaltspunkte geben, was als geschützt gelten kann und was nicht. Bei Werken, die einem Zweck dienen, also etwa Gebrauchsgrafiken, ist der Gestaltungsspielraum, den die zu erfüllende Aufgabe eröffnet, gering, damit aber auch der Spielraum für "persönliche geistige Schöpfungen". Denn geschützt ist nicht, was "jeder so gemacht hätte", sondern das, was über das rein Handwerkliche hinausgeht.

Grafiken

Man kann beispielsweise davon ausgehen, dass die grafische Umsetzung technischer Abläufe, etwa in Bedienungsanleitungen, urheberechtlich geschützt sind – allerdings nur, wenn die Darstellung nicht nur vollständig und exakt ist, sondern der Grafiker erkennbar dazu beigetragen hat, dass sie besonders übersichtlich oder anschaulich ist. Dasselbe gilt für Piktogramme: wenn sie zum Beispiel Eigenarten historischer Gebäude umsetzen, gilt auch für sie urheberrechtlicher Schutz. Icons, wie etwa das "Drucken"-Symbol in einem Computerprogramm, genießen diesen Schutz in der Regel allerdings nicht.

Illustrationen

Illustrationen können Logos in der Werbung sein, aufwändige Bilder für ein Kinderbuch, Vignetten, um in einer Tageszeitung ein Ressort zu markieren, und vieles mehr. Manche davon, etwa die Kinderbuch-Bilder, gelten als Werke der bildenden Kunst, wodurch sie im Grunde einen weitgehenden Schutz genießen. Andere sind Gebrauchsgrafiken. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat dazu geführt, dass unterschieden wird zwischen zweckgebundenen Werken, die dann Werke der angewandten Kunst sind, und zweckfreien Werken, also Werken der bildenden Kunst. Was also als Bild fürs Wohnzimmer Schutz genießen würde, genießt diesen Schutz als Werbe-Illustration nicht. Dass für die Entscheidung, ob ein Werk geschützt ist, die Zweckbindung als Indiz genommen wird, wird von Illustratoren kritisiert. Die Gerichte argumentieren, dass es für die so genannte angewandte Kunst einen anderen gesetzlichen Schutz gibt, der in Anspruch genommen werden kann: das so genannte Geschmacksmusterrecht.

Wie schwierig es zu beurteilen ist, ob eine Illustration geschützt ist oder nicht, zeigt ein Fall, der vor einiger Zeit vor dem Oberlandesgericht Köln verhandelt wurde. Dabei ging es um den "Leonardo-Mann", mit dem die gesetzlichen Krankenversicherer ihre Versicherungskarten schmücken. Durch die Verbindung der Leonardo-Zeichnung im Anschnitt mit einer Deutschlandfahne, die wie ein Regenbogen geformt ist, sei eine überdurchschnittliche bildnerische Gestaltung gelungen. Wahrscheinlich hätte weder die Leonardo-Zeichnung noch die Fahne allein Schutz genossen.
(10.07.07 , © iRights.info Matthias Spielkamp / Dieser Text ist unter einer CC-Lizenz erschienen)

FSK

Im Lauf ihrer Geschichte - von 1949 bis heute - hat sich die FSK von einem reinen Kontrollgremium zu einer allseitig akzeptierten Institution gewandelt, die neben ihren Kernaufgaben auch medienpolitische und medienpädagogische Verantwortung übernimmt. Hierzu zählen neben Veröffentlichungen insbesondere die Mitarbeit und Diskussion auf Tagungen sowie in Ausschüssen und Kommissionen.

Im Zentrum der Arbeit der FSK stehen freiwillige Prüfungen für Filme, Videokassetten und vergleichbare Bildträger, die in der Bundesrepublik Deutschland für die öffentliche Vorführung und Verbreitung vorgesehen sind. Entsprechend den Grundlagen der FSK wird eine Freigabe für eine bestimmte Altersklasse beschlossen.

Darüber hinaus prüft die FSK auch die Eignung von Filmen für die Vorführungen an Feiertagen. Eine Vorlagepflicht bei der FSK besteht nicht, allerdings haben die in der SPIO zusammengeschlossenen Wirtschaftsverbände ihre Mitglieder verpflichtet, nur von der FSK geprüfte Produkte öffentlich anzubieten.
(Quelle: www.spio.de, Selbstdarstellung)

 

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